Caféterasse

Ich muss gar nicht von meinem Notebook aufsehen, um zu wissen, daß die Alten jetzt an meinem Tisch stehen. Seinen schlurfenden Gang und ihr krächzendes Husten sind schon der gegenüber liegenden Strassenseite aus zu hören.

Ob ich ein Kippchen für ihn hätte? Für ihn immer. Mit leicht zittriger Hand greift er nach der Zigarette, die ich ihm hinhalte. Er beugt sich zu mir herunter, damit ich ihm Feuer geben kann. Mir fällt wieder auf, wie gross er ist. Der Alte muss mal ein stattlicher Mann gewesen sein. Er raucht mit tiefen Zügen und blickt umher. Er findet einen freien Tisch und setzt sich, starrt ins Leere und raucht.

Sie bleibt vor mir stehen. Sie habe bald Geburtstag sagt sie. Am 26. August. Von 33 sei sie. Der Hund eines Passanten unterbricht sie. Die liebt die Alte: Hunde und kleine Kinder. Sie wendet sich mir wieder zu. Sie gehe jetzt zu den Leuten, sagt sie, um sie um Geld zu bitten. Damit sie sich zu ihrem Geburtstag ein Eis kaufen könne. Ob ich Geld habe? Ich vertröste sie.

Die Alte wendet sich ab, schaut sich um. Sucht ihn und findet ihn schliesslich. Sie setzt sich neben ihn an den Tisch. Während er raucht, tätschelt sie sein Bein. Das alte Paar scheint glücklich zu sein.

Es ist schon spät. Das Abendessen im Pflegeheim haben sie verpasst.

Localcontent: Ubu Roi jetzt mit WLAN

Ubu Roi
Milchkaffee

Das Ubu Roi, die Hängematte der Saarbrücker Bohème, hat jetzt ein funktionierendes WLAN. WPA-Schlüssel gibt es auf Nachfrage beim Personal.

Note to self: Jetzt könnte ich ja eigentlich kündigen, und endlich die Dépendance der Digitalen Bohème im Saarland eröffnen.

Nauwieser Caféklatsch

Café
Foto: © tnx

Kurz vor der Abreise noch ein bisschen Lokalreflexion:

Die Café-Dichte im Nauwieser Viertel (für alle Nicht-Saarbrücker: der einzig wirklich lebens- und liebenswerte Kiez der Saarländischen Landeshauptstadt) nimmt langsam aber sicher bedrohliche Berlin Mitt’sche Dimensionen an.

Alleine an der Ecke Förster- / Cecilienstrasse kämpfen vier Cafés um Kundschaft. Da wäre als erstes das alteingesessene Ubu Roi zu nennen (einige Einheimische erinnern sich dann doch noch an eine Punk-Laden und einen Automatenspielsalon in diesen Räumen), das Café et al, das charmant abgerockte Café Schrill und dieser neue Laden, dessen Name ich nicht einmal kenne. (Hinweise auf den Namen bitte in die Kommentare)

Keine 50 Meter weiter eröffente vor wenigen Wochen die Brunchbox. Sie sieht, finde ich, genau so aus, wie man es von einem Latte-to-Go-Laden erwarten würde: Ein wenig nach Franchise und Systemgastronomie – ist es aber offensichtlich gar nicht. Der Kaffee ist übrigens gut und günstig und die Servicekräfte nett.

Noch einmal 20 Meter weiter an der Nauwieser Strasse wartet das Café Kostbar im Nauwieserhof mit der schönsten Teresse des Viertels auf.

Dann gibt es noch, gefühlte 150 Meter von dort weiter in Richtung St. Johanner Markt, das Uff de Nauwies, das eine Terasse hat, die nachmittags noch sehr lange von der Sonne beschienen wird.

Viel Auswahl also für die Kaffeedurstigen in diesem kleinen Viertel.

Bald, so pfeifen es die Spatzen von den Vierteldächern, wird es allerdings eine weitere bemerkenswerte Veränderung in der Cafélandschaft geben: Das Ubu Roi wechselt doch noch zum Monatsende den Betreiber. Offenbar soll der Name Ubu Roi beibehalten werden – was sich sonst im Laden ändern wird, darüber darf spekuliert werden.

Und das ist nicht alles: Die Spatzen pfeifen auch, daß die Stadtschänke
das Café Central seinem Namen nunmehr gerecht werden will. Angeblich ist geplant, nun bereits morgens zu öffnen – ich meine das Wort Frühstückscafé in dem Gezwitscher vernommen zu haben.

Wie heisst es so schön? Konkurrenz belebt das Geschäft. Uns Gäste wird’s freuen.