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Kosmodrom Baikonur. Bild: ESA

Земляне – Трава у Дома (Zemlyane – Trava u Doma)

Zur russischen Raumfahrtfolklore gehört ein Song, der schon zu Sowjet-Zeiten ein echter Hit war. Die Band Zemlyane (dt. Erdlinge) singt in “Trava u Doma” (dt. Rasen am Haus) über das Heimweh der Kosmonauten im All. Nicht nur die amerikanischen und europäischen Astronauten, die mit Ihren russischen Kollegen vom Kosmodrom in Baikonur zur Internationalen Raumstation aufbrechen, kennen den Song.

Inzwischen ist das Stück sogar ganz offiziell die Hymne der russischen Kosmonauten. So wird es zum Beispiel beim Auszug der Astro- und Kosmonauten in Richtung der Startrampe gespielt.

Der Text lautet auf deutsch etwa so:

Im Fenster taucht die Erde auf,
Im Fenster taucht die Erde auf,
Im Raumschiff-Fenster taucht die Erde auf …
So wie dem Sohn die Mutter fehlt,
So wie dem Sohn die Mutter fehlt,
So fehlt uns unsre Erde hier im All.

Auch wenn wir Sternen näher sind,
Auch wenn wir Sternen näher sind,
Sie bleiben trotzdem kalt und distanziert.
Und wie bei Sonnenfinsternis,
Und wie bei Sonnenfinsternis,
Geduldig warten wir auf warmes Licht.

Wir träumen nicht vom Lärm des Raumfahrthafens,
Und nicht von diesem eisigkalten Blau.
Wir träumen nur vom grünen, grünen Rasen,
Vom grünen Rasen vor dem Elternhaus.

Wir sind auf orbitalem Kurs,
Hier fliegt jetzt keiner außer uns,
Meteoriten säumen unsren Weg.
Verstand und Mut sind angebracht,
Und kosmischer Orchesterklang
Begleitet unser sachliches Gespräch.

In einem neblig-matten Dunst,
Verschwindet Erde unter uns,
In Morgen- oder Abendrot getaucht.
Und wie dem Sohn die Mutter fehlt,
Und wie dem Sohn die Mutter fehlt,
So fehlen Müttern Ihre Söhne auch.

Wir träumen nicht vom Lärm des Raumfahrthafens,
Und nicht von diesem eisigkalten Blau,
Wir träumen nur vom grünen, grünen Rasen,
Vom grünen Rasen vor dem Elternhaus.

Übersetzung via lyricstranslate.com

Die Band ist übrigens wohl noch immer aktiv. Zumindest veröffentlicht ihr Sänger, Sergei Skarchkov, neue Songs, aber auch Neuaufnahmen alter Hits, wie eben “Trava u Doma”. Dazu gibt es auch einen neuen Clip, der trotz computeranimierter Sojus-Rakete irgendwie nur halb so charmant ist wie der TV-Mitschnitt von 1984 weiter oben.

Ob Alexander Gerst, der nächste Europäer auf der ISS, den russischen Text schon mitsingen kann? Bestimmt.

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Video: der russische Teil der Internationalen Raumstation ISS in HD

Das ist mal eine Überraschung. Normalerweise veröffentlicht die russische Raumfahrtagentur Roscosmos ihre Videos nur in russischer Sprache. Diese Video aber ist nicht nur auffallend aufwändig produziert (Eigene 3D-Animationen und lustige Hologramme) sondern auch mit englischen Untertiteln ausgestattet.

Im Film werden zukünftige Kosmonauten über die Internationale Raumstation ISS unterrichtet. Der Schwerpunkt der Erklärungen liegt auf dem russischen Segment der Raumstation. Eingestreut werden (inzwischen durchaus historische) Aufnahmen vom Aufbau der Station, Weltraumspaziergängen russischer Kosmonauten und dem Leben und Arbeiten an Bord der Raumstation. Erfreulicherweise liegt der Youtube-Clip auch in HD-Auflösung vor.

Und einmal fliegt sogar der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter durchs Bild. 12 Minuten bestes Edutainment russischer Schule.


sciconfessions

#sciconfessions

Seit ein paar Tagen geht der schöne Haschtag #sciconfessions durchs Netz. Wissenschaftler und andere Menschen aus internationalen Sciencecommunity bekennen, was sie in ihrem Job vielleicht nicht ganz so optimal erledigen.

Ein echtes Highlight bislang ist dieser Tweet:

Mein Bekenntnis, in Wirklichkeit keine Ahnung Himmelsmechanik zu haben, hat mir gleich eine Erwähnung in der Stuttgarter Zeitung eingebracht.

Wobei ich klarstellen möchte: Ich weiss, was Keplerbahnen sind, kenne den Unterschied zwischen LEO und GEO und weiss sogar wer Walter Hohmann war. Nur die Berechnungen, wie man am schnellsten im Sonnensystem von Punkt A nach Punkt B kommt, überlasse ich dann doch lieber den Experten. Wie @rainerkresken.


Voyager's "Golden Record"

Herzliche Grüße an alle! – Voyager’s Golden Record: Musik für Aliens

Als Voyager 1 vor fast 36 Jahren startete, gab man der Sonde eine ganz besondere Nutzlast mit auf die Reise. Obwohl man wohl damals nicht damit rechnen konnte, dass Voyager einmal das Sonnensystem verlassen würde (hat sie vielleicht auch noch gar nicht), hat die Menschheit einen Gruß an die Ausserirdischen da draußen verfasst.

Eine vergoldete Kupferplatte, auf der analog Bild- und Tondokumente gespeichert wurden nebst einem Cover, das schematische Darstellungen enthält, wie die Platte abzuspielen ist und darüber hinaus Hinweise enthält, wo unsere Sonne zu finden ist.

Zwar ist Voyager 1 inzwischen stolze 124 Astronomische Einheiten (über 18 Milliarden Kilometer, also 124 mal weiter als die Erde) von unserer Sonne entfernt und noch hat unsere Botschaften keinen Alien erreicht. Wenn es in einer fernen Zukunft doch einmal dazu kommen sollte, werden die Ausserirdischen in 55 Sprachen begrüsst. Auch auf Deutsch. Neben den Grußbotschaften finden sich aber auch musikalische Werke, die stellvertretend für die irdischen Kulturen stehen. Neben Stücken von Louis Armstrong und Chuck Berry haben es Werke von Bach und Mozart auf die exklusivste Schallplatte des Sonnensystems geschafft.

Eine faszinierende wie rührende Vorstellung, dass dereinst mal die im interstellaren Raum vor sich hin treibende Sonde von Aliens gefunden und untersucht wird. Wenn es soweit sein wird und falls sich die Anderen tatsächlich auf den Weg zu uns machen, wird sich auf der Erde vermutlich niemand mehr an die goldene Schallplatte erinnern.


Chris Hadfield mit Matroschka und lustigem Hut

Expedition 35 Landing (201305140034HQ)
Drei müde Raumfahrer und viele andere wichtige Männer (Foto: NASA)

Zu den etwas bizarren Riten in der internationalen Raumfahrt gehört es ja, dass die Raumfahrer, kaum dass sie wieder festen Boden unter ihren Füßen haben, in Kasachstan vor die Kameras gezerrt werden.

In Kasachstan ist man stolz, dass von dort aus (noch) die russischen Sojus-Raketen starten und dass ihre Steppe der traditionelle Landeplatz für die von der ISS zurückkehrenden Kosmonauten und Astronauten ist.

So stolz, dass man jede Crew kurz nach der Landung in eine traditionelle kasachische Tracht hüllt und ihnen eine schönen Hut aufsetzt. Diesmal hat es sogar noch für ein Saiteninstrument (weiss jemand wie das Ding heisst?) und eine personalisierte Matroschka gereicht.

Die kanadische Raumfahrtagentur hat auch einen kurzen Youtube-Film dazu:

Noch mehr lustige Hüte nach dem Klick: Weiterlesen


It’s the nanotubes, stupid!

Frank Schätzing hat ihm mit Limit einen ganzen Roman gewidmet. Dem Weltraumaufzug. Dabei ist die Idee deutlich älter und wenn sie umgesetzt würde, wäre das nicht weniger der Beginn einer neuen Zeit.

Markus Landgraf, geschätzter Kollege und Raktenwissenschaftler am ESOC in Darmstadt hat beim TEDx RheinMain vor ein paar Wochen darüber gesprochen, wie das funktionieren könnte, das mit dem Weltraumaufzug.

Bis Rakten überflüssig werden, wird aber wohl noch einige Zeit vergehen. Es fehlt das geeignete Material, um ein Seil zu bauen, dass über die nötigen Eigenschaften verfügt.

Die gute Nachricht ist, dass man dem Material auf der Spur ist. In chinesischen (!) Labors entstehen die ersten Nanotubes, die entsprechende Merkmale aufweisen.

Wer weiss, vielleicht werden eines Tages aus Raktenwissenschaftlern Nanoröhrenwissenschaftler. Oder so.