Kategorien
Exotismus und Fremdwahrnehmung

Odessa – unstruktierte Beobachtungen (wird fortgesetzt)

Odessa 2009

Es hat sich nicht viel verändert, seitdem ich das letzte Mal in Odessa war. Meine Beobachtungen von damals treffen heute noch genau so zu. Allerdings gibt es viele Dinge, die ich bei meinen ersten Besuchen noch besonders spannend fand, die mir heute gewöhnlich und alltäglich vorkommen.

Kategorien
Digitale Kultur

Osteuropa Reise – Etappe 2: Krakau – (Przemysl) – Odessa

Przemysl Bahnhofskiosk

Am Abend erreichen wir den Grenzbahnhof in Przemysl. Der kleine Bahnhofsvorplatz liegt ausgestorben vor uns, nur eine Eckbar leuchtet wenig einladend. Im Bahnhof haben Kiosk und Zeitschriftenbude längst geschlossen, nur wenige Reisende haben sich in den alten Wartesaal verirrt. Dieser erinnert mit seinen massiven Holzbänken eher an ein Kirchenschiff – und tatsächlich hängt an der Wand das obligatorische Kruzifix. Da es im Wartesaal Steckdosen gibt, beschliessen wir kurzerhand, Strom zu ihlen, um die Wartezeit auf die Abfahrt unseres Nachtzuges nach Odessa absurderweise mit einigen Folgen Californication zu überbrücken.

Ausreise Ostwärts

Zwanzig Minuten vor der Abfahrt des Nachtzuges packen wir zusammen uns machen uns auf dem Weg zu Bahnsteig 4. Zu unserer Verwunderung liegt der Zugang zu diesem Bahnsteig ausserhalb des Bahnhofs. Nach fünf Minuten erreichen wir zwar den Bahnsteig – aber massive Metallzäune versperren uns den direkten Zugang. Bevor wir auf den Bahnsteig gelangen können, müssen wir erst einmal die Ausreiseformalitäten hinter uns bringen. Dummerweise sind die Türen zum Gebäude, in dem sich die Zollabfertigung befindet, schon geschlossen. Wir sind spät dran. Nach einigem Rütteln und Klopfen an der Tür wird uns doch noch geöffnet.

Kategorien
Exotismus und Fremdwahrnehmung

Reise nach Odessa: die Wahl des günstigsten Verkehrsmittels

Waiting for the train...

Um von Deutschland nach Odessa zu reisen, hat man im Wesentlichen drei Möglichkeiten:

Unerschrockene wählen das günstigste Verkehrsmittel – den Reisebus. Eine Fahrt in diesen Seelenverkäufern dauert gut und gerne 40 Stunden und soll im Winter überhaupt nicht zu empfehlen sein.

Der zweite Weg führt über die Schiene. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, ans Ziel zu gelangen. Von Berlin aus fahren regelmässig Kurswagen bis nach Odessa. Ein mit über 30 Stunden Fahrzeit nicht unbedingt ein Vergnügen.

Der schnellste Weg ist natürlich der Luftweg. Nach Odessa fliegt man mit Zwischenaufenthalt in Prag, Wien oder Budapest mit Czech-Air, der ungarischen Malev oder Austrian Air. Bucht man die Tickets früh genug, kann man die Hin- und Rückreise für unter EUR 300 bekommen. Dafür dauert die gesamte Reise auch nur wenige Stunden. Die reine Flugzeit beträgt keine drei Stunden.

Ab 2009 kommt eine interessante Mischform hinzu. Der ungarische Billig-Anbieter Wizz fliegt dann ab Dortmund und Köln nach Kiev. Von dort könnte man dann mit einem Nachtzug weiter nach Odessa reisen.

Wir haben uns dieses Jahr für die Schiene entschieden: Vom Ruhrgebiet aus zunächst nach Warschau, von dort nach kurzem Aufenthalt nach Krakau, wo wir zwei Nächte verbracht haben. Anschliessend weiter zum polnisch-ukrainischem Grenzbahnhof Przemysl und von dort mit dem Nachtzug nach Odessa.

Kategorien
Exotismus und Fremdwahrnehmung

Osteuropa Abenteuerreise: mit der Bahn über Krakau nach Odessa

Es ist ja nicht so, dass ich in letzter Zeit wenig unterwegs wäre. Um im Rhythmus zu bleiben, habe ich gerade eine Bahnfahrt nach Odessa gebucht.

Los geht’s in der Nacht des ersten Weihnachtstages von Dortmund nach Warschau – für unschlagbar günstige 29 Euro im Nachtzug. Von Warschau geht es dann weiter mit einem IC nach Krakau. Insgesamt kostet der Trip Dortmund – Krakau ganze 55 EUR. Und ist damit günstiger als der Wizz-Billigflieger, der nur in die Nähe von Krakau fliegt.

Weil Krakau so schön sein soll, bleibe ich zwei Tage dort. Anschliessend geht es mit einem Nachtzug in die Ukraine, direkt nach Odessa. Die Fahrt wird etwa 24 Stunden dauern.

Ein paar Tage später geht es dann zurück. Dann allerdings mit dem Flugzeug. Direkt nach Frankfurt am Main. Die Arbeit ruft….

Kategorien
Exotismus und Fremdwahrnehmung

Marschrutka, Trolleybus, Strassenbahn oder doch Schwarz-Taxi?

Trolleybus
Trolleybus

Odessa ist eine Millionenstadt. Den Odessiter stehen verschiedene Verkehrsmittel zur Verfügung, wenn sie sich von A nach B bewegen wollen.

Trolleybus

Im Stadtzentrum gibt es ein relativ dichtes Netz von Trolleybussen. Trolleybusse haben einen Stromabnehmer und funktionieren im Prinzip wie Strassenbahnen. Die Trolleybusse, die in Odessa im Einsatz sind, stammen aus der Soviet-Zeit und sind in einem eher schlechten Zustand. Während der Fahrt rumpelt es heftig, die Sitze sind abgenutzt – dafür kostet eine Fahrt nur 50 Kupeken. (Nach aktuellem Euro-Kurs entspricht das etwa 7 Cent). Der Fahrpreis wird direkt bei der mitfahrenden Fahrkartenverkäuferin entrichtet. Senioren fahren umsonst.

Bei Odessitern, die es sich leisten können, sind Trolleybusse nicht sehr beliebt. Zu langsam, zu voll und zu unbequem.

Strassenbahn

Tramway in Odessa
Tram in Odessa

Die alterschwachen Strassenbahnen aus tschechischer Produktion stellen auch keine Alternative da. Das Strassenbahnnetz ist dünn, die Bahnen fahren selten und sowohl Strecken als Bahnen sind in einem wirklich schlechten Zustand. Da hilft es auch nicht, dass man die meisten der alten Strassenbahn mit neuen Digitalanzeigen ausgestattet hat.

Marschrutka

Das beliebteste öffentliche Verkehrsmittel scheint aber die Marschrutka zu sein. Marschrukti sind LinienSammeltaxis, die innerhalb der Stadt auf festen Routen fahren und jederzeit Fahrgäste aufnehmen oder abesetzen. Die komfortabelsten Marschrutki sind Bogdan-Kleinbusse, die durchaus westlichen Erwartungshaltungen an einen kleinen Reisebus erfüllen. Auf manchen Strecken jedoch fahren auch echte Seelenverkäufer. Umgebaute Kleinlastwagen, gerne genommen: Mercedes Sprinter mit orignal deutscher Werbeaufschrift. Erstaunlich, wieviel Menschen in einem Sprinter Platz finden. Vom Markt am 7 Kilometer bin ich mal mit 17 anderen Personen zurück in die Stadt gefahren.

Der Fahrpreis hängt von der Linie ab. Innerhalb Odessas zahlt man zwischen 1,25 und 1,5 Hrywnja (1 EUR = 7,4 Hrywnja) auf längeren Strecken können schon mal 4 Hrywnja fällig werden.

Bezahlt wird beim Aussteigen, direkt beim Fahrer. Es empfiehlt sich, den Betrag möglichst klein, am besten abgezählt, bereit zu halten.

Hier ein ganz kleines Video vom Cockpit einer Marschrutka auf dem Weg nach Odessa. Der Fahrer hatte neben den obligatorischen Mini-Ikonen und Kreuzen noch einen gewaltigen Glas-Aschenbecher und mindestens 4 verschiedene Digitaluhren auf dem Amarturenbrett stehen.


Direktmarschrutka

Schwarz-Taxi
Die schnellste aber auch die teuerste Art sich innerhalb der Stadt fortzubewegen sind illegale Taxis. Es gibt zwar auch offizielle Taxis in Odessa – aber die sind nie da, wenn man sie braucht. Daher gilt: An eine beliebe Strassenecke stellen, Finger raus – innerhalb kurzer Zeit wird ein Auto halten. Jetzt gilt es, Verhandlungsgeschick zu beweisen. Für kurze Fahrten innerhalb des Zentrums sind 10 Hrywnja der aktuell angezeigte Preis.

Es gibt sowohl gut organisierte schwarze Taxi-Netze, in denen die Fahrer per Funk mit einer Zentrale Kontakt halten und echte Einzelkämpfer die mit zum Teil sehr, sehr alten Fahrzeugen auf der Suche nach Fahrgästen sind.

Das eigene Auto
Obwohl für viele Ukrainer ein eigenes Auto nach wie vor purer Luxus ist, sind die Strassen von Odessa mit Autos verstopft. Auffällig ist die extrem hohe Dichte an deutschen Nobelkarossen. Leute, die es sich leisten können, fahren SUVs, gerne mit verdunkelten Scheiben.

Fahrrad

Das Fahrrad scheint keine Alternative zu sein. Mag sein, dass es am Wetter liegt, die einzigen Fahrradfahrer die ich gesehen habe, waren Jugendliche mit Mountainbikes.

Aber ehrlich gesagt: Mit dem Fahrrad durch Odessa fahren zu wollen, scheint mir keine gute Idee zu sein. Oder man bringt als Fahrradfahrer eine gehörige Portion Risikobereitschaft mit.