Grillende Leipziger und das Völkerschlachtdenkmal

Leipzig

Wo erholt man sich von drei Tagen re:publica? In Leipzig, na klar.

An diesem Wochenende präsentierte sich Leipzig von seiner schönsten Seite. Die Parks, allen vorran der gigantisch grosse Clara Zetkin-Park glichen einer einzigen Grill-Party, die Betreiber der Cafés auf der Karl Liebknecht-Strasse hatten allerhand zu tun.

Was ich für mich immer noch nicht zusammenkriege: Leipzig hat knapp eine halbe Millionen Einwohner. Aber wo sind die alle? Grillen? Die Stadt erstreckt sich über eine beachtliche Fläche (297,6 Quadratkilometer) und dabei wirkt mancherorts erschreckend leer. Jemand sprach von 50.000 leerstehenden Wohnungen in der Stadt. Und in der Tat: an vielen Häusern hängen Plakate, die grundsanierte 5 Zimmer Wohnungen mit deutlich über 100 Quadratmetern Wohnfläche an den Mann bringen wollen.

Ungewohnt für mich sind auch die weitläufigen Strassenzüge, in denen sich Altbau an Altbau reiht. Wunderschöne Häuser, deren Fassaden in der Frühsommersonne hell leuchten. Die Wege, die man zurücklegt, um zum nächsten Supermarkt oder zum nächsten Kaffee zu kommen, sind beachtlich lang.

Leipzig, Völkerschlachtdenkmal

Als ignoranter Westdeutscher, ist das Völkerschlachtdenkmal neben der Messe das einzige, was ich bilsang mit Leipzig in Verbindung gebracht habe.

Und eben jenes Völkerschlachtdenkmal, angebliches Wahrzeichen der Stadt, ist mir tatsächlich am unangenehmsten aufgefallen. Das Ding ist beängstigend gross und marzialisch hässlich. Vielleicht empfinde ich das aber auch nur so, weil ich mit Schlachtendenkmälern irgendwie auf Kriegsfuss, seitdem ich als Kind das 3D-Waterloo-Schlachtpanorama gesehen habe.

Napoleons Blutspur durch die Geschichte Europas ist wahrlich furchteinflössend.

Achtundvierzig Stunden Leipzig

Leipzig Südvorstadt
(Karl Liebknecht Strasse Foto: phogel)

Am Wochenende also Leipzig. Von hier nach dort sechs Stunden. Gerne auch mehr. Je nach Autobahnstau oder Zugverspätung. Laut Wikipedia etwas über eine halbe Millionen Einwohner. Wirkt viel grösser. Der Bahnhof muss der wahrgewordene Traum Mehdorns sein: Shopping-Center mit Gleisanschluss. Südvorstadt. Tagebau Architekten + Designer. Sanftwut. Feuerwerk. Danke für die Einladung. Karl-Liebknkecht-Strasse. Karli. Sonnenkaffee vor dem Pushkin. Kaffee ist ein bisschen günstiger im Osten der Republik als im äussersten Westen. Die Flyer erzählen von einer lebendigen Clubszene. Immer noch viel Drum ’n‘ Bass. Oder wieder? Demnächst spielen Whitest Boy Alive. Direktzug Leipzig Saarbrücken, von Dresden kommend. Soldaten mit Notebooks. Warum sind eigentlich alle im Saarland stationierten Wehrpflichtigen Sachsen?