Einmal Pommes Schranke und ne Fricka für meine Inge!

Direktpommes

Sie verstehen die Üerschrift dieses Artikels nicht? Dann waren Sie bestimmt noch nie im Ruhrgebiet. Keine Angst, das lokale Idiom Ruhrdeutsch lässt sich erlernen. Zum Beispiel anhand dieses Sprachkurses Ruhrdeutsch – #1 In der Pommesbude. Hier efahren Sie, was sie zur Nahrungsbeschaffung im Revier wissen müssen.

Zwar wird die Überschrift im Sprachkurs nicht erläutert, ich nehme aber korrekte Übersetzungen ins Hochdeutsche in den Kommentaren entgegen.

Wer wohnt schon in Düsseldorf?

Ich komme aus dem Ruhrgebiet.

Ich kenne diese mitleidigen Blicke von Euch, die ihr noch nie im Ruhrgebiet wart, wenn ihr hört, dass ich von dort stamme. Ich kenne die Klichees und Vorurteile, die sich in Euren Köpfen über uns Ruhries festgesetzt haben.

Aber ich habe eine Überraschung für Euch: Wir sind gar nicht alle so wie der Vollproll von RTL. Dennoch lieben wir unseren Soziolekt. Wir tragen gar nicht alle Feinripp-Unterhemden zu ballonseidenen Hosen wenn wir an der Bude Bier und Kippen kaufen. Der Himmel über der Ruhr ist blau und manchmal kann man nachts sogar den Mond von Wanne Eickel sehen.

Wir sind 5,3 Millionen, sind treuesten Fans der besten Fußballvereine, stehen liebend gerne auf der Autobahn, haben die Wahl zwischen vier Universitäten (Duisburg/Essen, Bochum, Dortmund, Witten/Herdecke) und zahllosen FHs, kaufen das Nötige in den nahen Niederlanden, gehen heute ins Hotel Shanghai und versacken morgen im Bochumer Bermuda-Dreieck.
Weltklasse Theater sehen wir im Schauspielhaus Bochum, Konzerte besuchen wir in den alten Zechen Carl und Zeche Bochum oder der legendären Grugahalle (wo schon die Beatles unsere Mütter in Hysterie gestürzt haben und die klassischen Rocknächte des Rockpalastes stattfanden). Am 30. April feiern wir zu Tausenden verpeilt die Mayday in der Westfalenhalle. Wir lieben unsere alten Industrieanlagen, das Weltkulturerbe Zeche Zollverein und fühlen uns am Duisburger Innenhafen wie in London.
Grosse Kunst sehen wir im Folkwang Museum, dem Aalto Theater oder dem Konzerthaus Dortmund oder machen sie selbst – im Unperfektaus.

Und Ihr fragt Euch wirklich noch, warum Essen und das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas 2010 geworden sind? Eben.

(Erschien im Original bei Spreeblick)