Qype: banditen wie wir in Essen

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Schon komisch: Da muss erst eine Freundin aus Saarbrücken nach Essen ziehen – immerhin ist Essen meine Heimatstadt und ich dachte, ich würde mich dort auskennen – um mir nun die Hotspots der Stadt zu zeigen.

Das "Banditen wie wir" muss schon allein wegen seines Namens gefallen. Im kargen, durchaus abgerockten Ambiente treffen sich hier Menschen zwischen 20 und 40. (Soweit ich dass nach nur einem Besuch beurteilen kann.

Der Laden besteht im wesentlichen aus einem Raum, einigen Tischen, Sofas und Sesseln, einem Kamin und einer grossen Theke.

Getrunken wird hier das lokale Stauder-Pils, wenngleich natürlich noch einige andere Getränke im Angebot sind.

Die Musik ist wichtig, relativ laut und irgendwie indie.

Die Banditen sind eine echte Bereicherung des Rüttenscheider Nachtlebens. Toll!

Mein Beitrag zu banditen wie wir – Ich bin glueckauf – auf Qype

Wer wohnt schon in Düsseldorf?

Ich komme aus dem Ruhrgebiet.

Ich kenne diese mitleidigen Blicke von Euch, die ihr noch nie im Ruhrgebiet wart, wenn ihr hört, dass ich von dort stamme. Ich kenne die Klichees und Vorurteile, die sich in Euren Köpfen über uns Ruhries festgesetzt haben.

Aber ich habe eine Überraschung für Euch: Wir sind gar nicht alle so wie der Vollproll von RTL. Dennoch lieben wir unseren Soziolekt. Wir tragen gar nicht alle Feinripp-Unterhemden zu ballonseidenen Hosen wenn wir an der Bude Bier und Kippen kaufen. Der Himmel über der Ruhr ist blau und manchmal kann man nachts sogar den Mond von Wanne Eickel sehen.

Wir sind 5,3 Millionen, sind treuesten Fans der besten Fußballvereine, stehen liebend gerne auf der Autobahn, haben die Wahl zwischen vier Universitäten (Duisburg/Essen, Bochum, Dortmund, Witten/Herdecke) und zahllosen FHs, kaufen das Nötige in den nahen Niederlanden, gehen heute ins Hotel Shanghai und versacken morgen im Bochumer Bermuda-Dreieck.
Weltklasse Theater sehen wir im Schauspielhaus Bochum, Konzerte besuchen wir in den alten Zechen Carl und Zeche Bochum oder der legendären Grugahalle (wo schon die Beatles unsere Mütter in Hysterie gestürzt haben und die klassischen Rocknächte des Rockpalastes stattfanden). Am 30. April feiern wir zu Tausenden verpeilt die Mayday in der Westfalenhalle. Wir lieben unsere alten Industrieanlagen, das Weltkulturerbe Zeche Zollverein und fühlen uns am Duisburger Innenhafen wie in London.
Grosse Kunst sehen wir im Folkwang Museum, dem Aalto Theater oder dem Konzerthaus Dortmund oder machen sie selbst – im Unperfektaus.

Und Ihr fragt Euch wirklich noch, warum Essen und das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas 2010 geworden sind? Eben.

(Erschien im Original bei Spreeblick)

Oliver, tu dich wat aufn Kopp!

Das brüllte unser Nachbar vor einigen Jahren quer über den Hof, um seinen Sohn aufzufordern, sich gefälligst eine Mütze aufzusetzen. Bei der Kälte heute morgen musste ich daran denken. Ich mag ja das Ruhrdeutsch.

Mehr über diesen Soziolekt gibbet im Glossar von Ruhrgebietssprache.de und ganz wissenschaftlich anner Uni Essen Christian Hagemann: Ruhrgebietsdeutsch Ein historischer und sprachwissenschaftlicher Einblick (PDF).