Hurra, ich darf bleiben!

Mit 40 von 42 möglichen Punkten, darf ich Deutscher Staatsbürger bleiben. Glück gehabt! Insgesamt sind es 100 Fragen, die einem Kandidaten zur Einbürgerung gestellt werden sollen, geht es nach Roland Koch.

Wie zynisch geht es denn noch? Klar, wenn Migranten die selben Möglichkeiten des Zugangs zur Bildung hätten wie Menschen, die deren Eltern bereits mit einem Deutschen Pass ausgestattet sind, hätten sie vielleicht eine Chance, richtig zu antworten.

Im Grunde ist solch ein Test eine Demütigung.

via roxomatic, Moe, Deef.

Update: Don Alphonso regt sich auch auf und findet auch noch Fehler in den Fragen.

Morgen: Baumann, Haeusler, Cords und Keuchel

Dr. Baumann, DFKI

Während mein Co-Autor noch an seinem morgigen Vortrag arbeitet, blogge ich derweil mal:

Wer morgen nicht auf der CeBIT ist, ist selber schuld. Im Future Talk (Halle 9) dreht sich ab 15:00 alles um Blogs, Social Software, Web 2.0 und Computational Culture.

Um 15:00 macht Dr. Baumann die Vorgruppe für Johnny und spricht über Computational Culture and Social Software. Anschliessend, um 15:20, referiert als Hauptact Johnny Haeusler über Die fünfte Macht im Staate? – Weblogs zwischen Hype und Realität

Von 15:45 an ist das Podium noch prominenter besetzt: Johnny Haeusler wird mit Lars Cords, dem Kampagnenleiter von Du bist Deutschland und Stefan Keuchel, dem Pressesprecher von Google Deutschland diskutieren. Moderiert von Reinhard Karger, dem Leiter der Unternehmenskommunikation des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz.

Das ganze ist kostenfrei. Und es wird einen Audio- und Videomitschnitt geben, die im Laufe der nächsten Tage auch irgendwo online sein werden. Näheres dazu später hier.

Du bist Deutschland as seen on Technorati.com

Technorati erklärt seinen Benutzern, warum diese komischen deutschen Worte „Du bist Deutschland“ aktuell den ersten Platz unter den Top-Searches einnehmen. Welch Ironie: ausgerechnet einer der DbD-Kampagnenmacher hat mit seinem Blogger-Bashing und seiner anschliessenden „Entschuldigung“ dafür gesorgt, dass jetzt auch die Blogosphäre ausserhalb des deutschsprachigen Raums herzlich darüber lacht.

Danke, JKE.

Dies ist ein Fallow-Up zum Du Bist Deutschland – Chronologie-Post vom 24. November 2005.

Du Bist Deutschland: Holger Jungs Autos angezündet

Holger Jungs Autos seien angezündet worden, berichtet die Hamburger Morgen Post und spekuliert über einen politischen Hintergund in Bezug auf die von Jung von Matt verantwortete Du Bist Deutschland Kampagne.

Update: Die Welt weiss schon, dass es ein von Autonomen verübter Brandanschlag war.

Update: Montag, 19.12.05
Die Netzeitung und N24 Online berichten über den Brandanschlag, zitieren die Welt und schreiben, die Polizei verdächtige Netz-Aktivisten der Tat.

Das Hamburger Abendblatt berichtet von einem Bekennerschreiben.

Die Netzeitung schreibt eine kurze Notiz in ihrer Rubrik Blogosphäre zu Johnnys Posting.

Ich habe übrigens der Richtigstellung von Johnny nichts hinzuzufügen.

[Follow-Up zu: Denn Du bist Deutschland – Chronologie]

Blogschau: Du bist Deutschland

Die Diskussion um Sinn und Unsinn der Kampagne Du bist Deutschland ist in dieser Woche in eine neue Runde gegangen. Siehe dazu das Spreeblick-Posting und die Chronlogie der Verbreitung des Fotos. Interessant finde ich, was nun inhaltlich diskutiert wird.

Die zentrale Diskussion findet natürlich bei Spreeblick statt. Allerdings kommt man bei über 300 Kommentaren, Track- und Pingbacks an die Grenze des Sinnvollen. Ich vermute mal, dass spätestens ab Posting #100 niemand der Kommentatoren wirklich alle vorherigen Kommentare gelesen hat. Johnny und Max, denkt Ihr über eine Thread-Darstellung der Diskussion nach? Das wäre bei einem solchen Kommentaraufkommen sicherlich sinnvoll.

„Blogschau: Du bist Deutschland“ weiterlesen

Denn Du bist Deutschland!

Was für ein krasse Geschichte: Thomas erzählt mir heute mittag von einem Foto, auf dem ein Hitler-Portrait nebst dem Spruch „Denn Du bist Deutschland“ zu sehen sei. Er hatte es von P. per Mail bekommen, der es wiederum gestern schon per Mail bekam. In der Universitätsbibliothek Saarbrücken findet er auch eine Ausgabe des entsprechenden Buches, aus dem das Foto gescannt wurde.

Etwas später am Nachmittag postet Johnny genau dieses Foto.

Offensichtlich geht dieses Foto gerade per Mail durchs Netz. Allen Anschein nach, wurde es hier zum ersten Mal ins Web gestellt und dort zum ersten mal gebloggt. Das war gestern.

Das Foto entstammt unzweifelhaft aus diesem Buch:

Ludwigshafen – ein Jahrhundert in Bildern
unsere Stadt im 20. Jahrhundert
Veröffentlichungen des Stadtarchivs
Hrsg.: Stadtarchiv Ludwigshafen am Rhein
Ludwigshafen am Rhein
Stadtarchiv, 1999
ISBN 3-924667-29-2

Leider verfügt das Buch nicht über einen detaillierten Bildindex oder -Nachweis, der erklären würde, was man eigentlich auf dem Foto sieht. Die Bildunterschrift verrät lediglich:

Um 1935: NS-Kundgebung auf dem Ludwigsplatz.

Also nicht einmal das Stadtarchiv kann das genaue Datum der Aufnahme nennen.

Aber was sehen wir nun auf dem Bild genau?

Ein riesiges, gezeichnetes Portrait Adolf Hitlers, darunter ein Spruchband mit den Worten „Denn Du bist Deutschland“. Rechts und links daneben sieht man eine Gruppe uniformierter Männer. Im Hintergrund sind Fahnen zu sehen und auf einem Gebäude ist der Schriftzug „Rhenania“.

Was soll aber „Denn Du bist Deutschland“ bedeuten?

Ist es eine Mahnung? Wenn ja, in welchem Kontext?

Ich bin kein Historiker, aber einige Zusammenhänge erscheinen mir offensichtlich. Das Bild ist in Ludwigshafen entstanden. Das war der Standort der IG Farben, die bekanntlich schon früh die Nationalsozialisten finanziell im Wahlkampf unterstützten (mehr dazu im Wikipedia-Artikel).

Ein interessanten Hinweis liefert die Analyse Nationalsozialistische Propaganda in der Werkszeitung des Höchster Werkes der I.G. Farben von Sandra Martina Schwab, dort schreibt sie unter dem Punkt Leistungssteigerung und Einsparungen im Betrieb:

Ausgelöst wohl durch die Versorgungsengpässe bei Roh- und Treibstoffen im Jahr 1936, schrieb die chemische Industrie vom 1. Dezember 1936 bis zum 1. März 1937 einen „100-Tage-Kampf für Sparsamkeit und gegen Vergeudung im Betrieb“ aus , denn „[a]uch die scheinbar geringfügige Vergeudung summiert sich zu Riesenwerten, die unserer Volksgemeinschaft nicht vorenthalten werden dürfen“ . Um dieser Forderung mehr Gewicht bei den Arbeitern zu verleihen, entkräftet in der Kurzgeschichte „Der Grobschmied macht Betriebsappell“ ein einfacher Arbeiter – eben der Grobschmied – alle Argumente, die gegen das Sparen im Betrieb vorgebracht werden könnten. Im Gegenzug erklärt er, warum die Einsparungen so wichtig seien, und endet: „‚Versteht Ihr nun, was der 100-Tage-Kampf von Euch will? Unsere und damit Deutschlands Existenz sichern [sic].'“

Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, in welchem Zusammenhang der 70 Jahre später wiederverwendete Claim damals gemeint war.

Jemand sollte mal Recherchen im Ludwigshafener Stadtarchiv anstellen.

Auf jeden Fall ist das Auftauchen eines solchen Fotos für die Kreativ-Verantwortlichen der DbD-Kampagne peinlich. Richtig schlimm wird es für sie aber erst, wenn sich herausstellen sollte, dass „(Denn) Du bist Deutschland“ ein Rückgriff auf eine Mutmacher-Kampagne im dritten Reich ist.

Aber man sollte nicht den Fehler machen und die Kampagne und Ihre Initiatoren in die Nähe nationalsozialistischer Ideen zu stellen. Was man den Kreativen vorwerfen kann, sollte es denn so sein, dass sie nicht vernünftig recherchiert haben oder einfach nur ganz schlechten Geschmack beweisen.

Aber das zu klären, wäre in der Tat die Aufgabe eines Historikers.

Siehe auch Postings von Mario Sixtus und dem Werbeblogger dazu.

UPDATE 1
Der Dank für die Recherche, die an verschiedenen Stellen geäussert wird, geht ganz eindeutig an Thomas, der gestern den richtigen Gedanken hatte, mal nach der Quelle des Fotos zu suchen! Thomas, wird defenitiv Zeit, Blogs nicht nur zu hosten sonder selbst auch zu schreiben. ;)

UPDATE 2
Das ist wichtig: Lars Cords, Leiter des Kampagnenbüros „Du bist Deutschland“ äussert sich bei Johnny in den Kommentaren. Das ist deshalb gut und richtig, weil das vielleicht ein Schritt der klassischen PR-Agenturen zur Anerkennung der Blogs als Diskursmedium ist.

UPDATE 3
Christoph hat eine andere, aber sehr schlüssige Interpretation dessen, was man auf dem Foto sieht.

UPDATE 24.11.05
Ich habe mal versucht, die Chronologie der Ereignisse um dieses Foto aufzustellen.