Reisenotiz

Muss ich mir eigentlich Sorgen machen, weil der Bundeswehrangehörige in Uniform neben mir in der Bahn stundenlang höchstkonzentriert seine Gegener im Ego-Shooter massakriert?

Bahnhofstafeln Online

Der Zoch kütt net
Foto: © leralle

Total unbekannt aber ungemein praktisch: Die Bahnhofstafeln im Internet.

So lässt sich vor dem Verlassen des Büros schnell prüfen, ob der Zug denn heute mal pünktlich ist.
Im Sinne eines Notizzettels: Bahnhofstafel für Saarbrücken, Kaiserslautern und Leipzig.

Die URL-Syntax ist simpel:

http://reiseauskunft.bahn.de/bin/bhftafel.exe/dn?rt=1&input=[BAHNHOF]

Was machen eigentlich die Feldjäger im ICE?

Als ehemaliger Zivildienstleistender und Zivilist muss ich mal fragen: Was genau machen eigentlich die Feldjäger, die regelmässig zwischen Frankfurt und Homburg (Saar) durch den ICE patroullieren?

Zwangsaufenthalt

Ich danke den „Personen auf den Gleisen“ zwischen Einsiedlerhof und Kaiserslautern, die mir gerade den Zwangsaufenthalt in der DB-Lounge in Frankfurt am Main ermöglichen.

Update: Die Reisenden aus der Gegenrichtung haben richtig Pech. Der Direktzug Leipzig-Saarbrücken hat lockere 2:20 Verspätung. Herzliches Beileid!

Update 2: Das war mit Abstand die ätzendste Zugfahrt aller Zeiten. Für eine Strecke, für die man 5:55 Stunden braucht, benötigte ich gestern nacht insgesamt knapp 9 Stunden. Weiss jemand, was der Pauschal-Verspätungsgutschein bei einer Bahncard 100 Wert ist? Danke!

Big Brother Bahn

Bahn im Nebel
Foto © daphonque

Hui, beinahe verpasst. Die Deutsche Bahn AG ist mit dem diesjährigen Big Brother Award in der Kategorie „Wirtschaft“ ausgezeichnet worden.

Liest man die Laudatio von padeluun, wird das Votum der Jury nachvollziehbar.

Für mich als Inhaber einer Bahncard 100 besonders interessant:

Richtig anonym und komfortabel geht’s wohl nur mit der Bahncard 100. Freie Fahrt für reiche Bürger, auch auf der Datensammelbahn – sollte man meinen. Einmal 3.400 Euro bezahlen, einsteigen und einfach fahren, ohne Fahrkartenkauf, ohne Internetgeklicke, ohne fummelige Zettelwirtschaft. Aber auch hier lauert die Datenkrake in ihrem perfiden Versteck: In der Karte ist heimlich ein RFID-Schnüffelchip integriert. Der Chip kann, vom Benutzer unbemerkt, per Funk ausgelesen werden. Zur Erinnerung: Der Metrokonzern mußte seine heimlich mit Schnüffelchips verwanzten Payback-Karten im Jahr 2004 umtauschen; die gesamte RFID-Industrie wurde in Mißkredit gezogen. Der zuständige Vorstandsvorsitzende der Metro mußte seine Vorstandstätigkeit zwischenzeitlich aufgeben.

Wir haben den Chip in der Bahncard 100 bereits im Jahr 2005 in einem kleinen Artikel auf der Website des FoeBuD e.V. beschrieben. Drei Tage nach Veröffentlichung rief der betriebliche Datenschutzbeauftragte an und fragte an, ob die Bahn jetzt den BigBrotherAward bekommen würde. „Bis repetita non placent“ beschieden wir als gebildete Asterix-Leser ihm. „Wiederholungen gefallen nicht“. RFID-Karten hatten ja schon soooo einen Bart. Er atmete hörbar auf. Er versprach, dass die Bahn zukünftig deutlich auf den Chip hinweisen wird.

Einem Kunden gegenüber, der eine Bahncard 100 ohne Chip wollte, gab er nach unserem Telefonat die Auskunft, dass der Chip nicht aktiviert sei. Dennoch meldet sich der Chip an jedem Lesegerät, das nach dem gleichen Standard arbeitet. Wären die Lesegeräte bereits so flächendeckend verbreitet, wie sich das die Industrie noch 2003 vorgestellt hatte, wäre die Bahncard 100 letztendlich eine Art Wanze, die durch ihre eindeutige Nummer den Standort der Kartenbesitzerin mitteilt. Solche Daten gehören nicht freigelassen! Zumindest haben die Benutzer ein Recht darauf, zu wissen, was sie mit sich herum tragen. Ich habe extra noch einmal alle Newsletter der Deutschen Bahn AG seitdem durchgesehen. Bis heute kein Wort. Gar nichts.

Quelle

Wirklich überrascht bin ich nicht. Denn die Bahncard100 ist gleichzeitig auch „Schlüssel“ für viele Fahrzeuge bei den Car-Sharing-Unternehmen in dieser Republik. Ich meine auch, in diesem Zusammenhang explizit von RFID gelesen zu haben.

So oder so. Der Preis ist wichtig. Die Bahn eine würdige Preisträgerin.

So lange die Konsumenten weiter unkritisch sind und nicht wissen wollen, was mit ihren Daten geschieht, werden Konzerne versuchen, ein Maximum an Informationen zu erlangen, zu speichern und zu rastern. Alles im Sinne einer „Best Customer Experience“ – klar.

Das mangelnde Bewusstsein um Datensicherheit, informationelle Selbstbestimmung und Freiheit von Informatition bei der Mehrheit der Menschen, die mitten in der Informationsgesellschaft leben, kann langsam beängstigen.

Denn jetzt werden Gesetze und Bestimmungen erlassen, die das Verhältnis von Staat und Bürger, Anbieter und Konsument in der digitalen Welt regeln.

Wenn aber sowohl Gesetzgeber als auch Bürger gar nicht verstehen (können), welche Möglichkeiten des Missbrauchs die Informationstechnologie heute schon bietet und in Zukunft noch bieten wird, wie können dann in einem demokratischen Prozess die Weichen in die richtige Richtung gestellt werden?

Manchmal denke ich, dass auch in Deutschland Platz ist für eine Piratenpartei nach schwedischem Vorbild. Und wenn es nur der Sensibilisierung dient.

Arbeitstitel: Andy On Rails

Ich fahre derzeit soviel mit der Deutschen Bahn – und das wird die nächsten Monate auch so bleiben, dass ich mir ernsthaft überlege, ein weiteres Blog zu starten: Arbeitstitel: Andy On Rails.

Beim Bahnfahren passieren so viele nette und weniger nette Geschichten, die erzählt werden wollen. Da ich auf fast allen Bahnreisen mein Notebook dabei habe und der Arcor-Zugang über das „WLAN am Bahnhof“-Angebot der Deutschen Bahn erstaunlich gut funktioniert, sollte es doch möglich sein, zeitnah zu bloggen.

Ich lasse mir das mal durch den Kopf gehen.

Aber: will das überhaupt jemand lesen?

Eisenbahnerstreik

Leipzig

Unnötig.
Aber ohne jedes Recht.
Die Frau, die Kinder wollen Schuhe.
Wißt ihr, wie solcher Dienst den Körper schwächt?
Tag-, Nachtschicht und das bißchen Ruhe.

Ja, standet ihr schon mal am Führerstand?
Der Kessel glüht – es ziehn die Winde.
Heiß-kalt, kalt-heiß wird seine Führerhand . . .
Wo ist sein Sinn! Bei seinem Kinde?

Wo ist sein Sinn? Die Augen spähn: »Fahrt frei!«
Er darf nicht einen Griff versäumen.
Er sieht das Vorsignal und Weiche III –
Ihr könnt auf weichen Polstern träumen,

Wollt ihr nicht sichere Fahrt durch euer Land?
Wie soll der Dienst tun mit den Sorgen?
Zweihundert Leben in der einen Hand –
und dieser Hand will keiner, keiner borgen?

Er hats nicht leicht der Mann vom Flügelrad.
Stets droht der Tod. Er soll nicht ein Mal fehlen.
Ihr tuts für euch. Macht seine Kinder satt!
Wer fünf Milliarden für die Reichswehr hat:
der darf uns nichts von Sparsamkeit erzählen!

Theobald Tiger, Weltbühne vom 09.02.1922

[Bahnblog, Sudelblog]
Foto: ich.