Chris Hadfield mit Matroschka und lustigem Hut

Expedition 35 Landing (201305140034HQ)
Drei müde Raumfahrer und viele andere wichtige Männer (Foto: NASA)

Zu den etwas bizarren Riten in der internationalen Raumfahrt gehört es ja, dass die Raumfahrer, kaum dass sie wieder festen Boden unter ihren Füßen haben, in Kasachstan vor die Kameras gezerrt werden.

In Kasachstan ist man stolz, dass von dort aus (noch) die russischen Sojus-Raketen starten und dass ihre Steppe der traditionelle Landeplatz für die von der ISS zurückkehrenden Kosmonauten und Astronauten ist.

So stolz, dass man jede Crew kurz nach der Landung in eine traditionelle kasachische Tracht hüllt und ihnen eine schönen Hut aufsetzt. Diesmal hat es sogar noch für ein Saiteninstrument (weiss jemand wie das Ding heisst?) und eine personalisierte Matroschka gereicht.

Die kanadische Raumfahrtagentur hat auch einen kurzen Youtube-Film dazu:

Noch mehr lustige Hüte nach dem Klick: Weiterlesen


ISS-Kommandant Chris Hadfiled singt “Space Oddity” von David Bowie

Und das Beste kommt zum Schluss. Der Kanadische Astronaut Chris Hadfield hat mit seiner jetzt zu Ende gehenden Mission die Messlatte in Sachen Raumfahrt-Social-Media gleich mal ein paar Meter höher gelegt. Nicht nur, dass er extrem erfolgreich twittert und dabei mit Captain Kirk ein Schwätzchen hält, auch seine Youtube-Videos, in denen er kleine Experimente in Schwerelosigkeit demonstriert, sind sehr erfolgreich. Das Video, in dem er einen nassen Lappen auswringt, bringt es auf – für Videos dieser Art – sensationelle 7,5 Mio Abrufe.

Jetzt, zum Abschluss seiner Mission, bringt uns der Kanadische Kommandant der Raumstation ein Ständchen. Und welcher Song würde besser passen als das etwas wehmütige Space Oddity von David Bowie? Hadfield gelingt das Kunstück, zu keinem Zeitpunkt peinlich zu wirken. Im Gegenteil, man nimmt ihm den Major Tom ab. Das Video wirkt einfach, aber die Produktion muss viel wertvolle Zeit gekostet haben. Hut ab!

Ich verneige mich vor Hadfield als Raumfahrt-Kommunikator, seinem Sohn, der für die Umsetzung der Social-Media-Kommunikation verantwortlich zeichnet und den Kommunikationsteams der Kanadischen Raumfahrtagentur CSA und der NASA. Es wird eine Herausforderung, die Latte zu überspringen.

Chris Hadfiled wird heute, am 13. Mai zur Erde zurückkehren:
Well done, Commander. Safe travels home.


Savages – I Am Here (Silence Yourself, 2013)

Savages

Wer mein gelegentliches Musikgeblogge in den letzten Jahren verfolgt hat, weiss, dass mir kein Hype zu groß ist, um nicht an ihn zu glauben.

Aktueller Liebling des (britischen) Musikfeuilletons sind Savages, die mit “Silence Yourself” gerade ihr Debut-Album ihre Debüt-Veröffentlichung an den Start gebracht haben.

Savages holen ein fast vergessenes Genre aus dem Musikarchiv der späten 70er, frühen 80er hervor und verpassen ihm eine radiale Frischzellenkur. Arte nennt das Post-Post-Punk und liegt damit nicht ganz falsch. Energiegeladen treibt der Bass, überraschend hohe Gittarrenwände bauen sich auf und davor die Stimme von Sängerin Jehnny Beth. Trotz der Wucht, mit der die Britinnen zu Werke gehen, wirken die Stücke auf “Silence Yourself” erfrischend reduziert, minimal fast, auf das Wesentliche reduziert. Und noch etwas ist auffällig: Die Ernsthaftigkeit mit der hier Musik gemacht wird. Hier ist nichts ironisch gebrochen, die Frauen meinen Lyrics und Musik genau so.

Savages sind in Kürze für vier Termine in Deutschland und der Schweiz:

16.5. Geb9, Cologne
17.5. Lido, Berlin
19.5. Zoom, Frankfurt
20.5. Kinski, Zurich

Glaubt man den teilweise enthusiastischen Kritiken, versprechen Savages-Konzerte gut, zumindest aber eine, dieser Tage interessante, Erfahrung zu werden. Auf ihrer Website fordert die Band nämlich dazu auf, Mobiltelefone gefälligst stumm in der Tasche zu lassen:

DEAR AUDIENCE
OUR GOAL IS TO ALWAYS DISCOVER BETTER WAYS OF LIVING AND EXPERIENCING MUSIC
WE BELIEVE THERE ARE STILL NEW WAYS TO BE FOUND
WE BELIEVE THE USE OF PHONES TO FILM AND TAKE PICTURES DURING A GIG PREVENTS ALL OF US FROM TOTALLY IMMERSING OURSELVES
ONLY WHITH FULL EXPERIENCE WILL THE WORDS WE SPEAK BE TRUE
LET’S MAKE EACH EVENING SPECIAL
SILENCE YOUR PHONES

Savages “Silence Yourself” ist gerade bei Matador erschienen.

Savages Website, Facebook, Twitter

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Through the magic of the camera earthlings take their first ride into space.

Dieser Ausschnitt aus einer Newsreel von 1963 gehört zum ersten Filmmaterial aus dem Weltraum überhaupt. Der Clip zeigt die Trennung der ersten Stufe einer Titan II-Trägerrakete. Deutlich ist die Erdkrümmung zu erkennen, spektakulär wie sich die erste Stufe zerlegt. Früher Weltraumschrott.


It’s the nanotubes, stupid!

Frank Schätzing hat ihm mit Limit einen ganzen Roman gewidmet. Dem Weltraumaufzug. Dabei ist die Idee deutlich älter und wenn sie umgesetzt würde, wäre das nicht weniger der Beginn einer neuen Zeit.

Markus Landgraf, geschätzter Kollege und Raktenwissenschaftler am ESOC in Darmstadt hat beim TEDx RheinMain vor ein paar Wochen darüber gesprochen, wie das funktionieren könnte, das mit dem Weltraumaufzug.

Bis Rakten überflüssig werden, wird aber wohl noch einige Zeit vergehen. Es fehlt das geeignete Material, um ein Seil zu bauen, dass über die nötigen Eigenschaften verfügt.

Die gute Nachricht ist, dass man dem Material auf der Spur ist. In chinesischen (!) Labors entstehen die ersten Nanotubes, die entsprechende Merkmale aufweisen.

Wer weiss, vielleicht werden eines Tages aus Raktenwissenschaftlern Nanoröhrenwissenschaftler. Oder so.


Dancing Rocket Scientists (ESA / ESTEC Harlem Shake)

Haha, die ESA-Kollegen im Technologiezentrum ESTEC können ja sowieso fast alles. Sogar tanzen.

Lustig ist auch, dass die Kollegen tatsächlich auf einer Rütteltesteinrichtung (‘electrodynamic shaker’) stehen, auf der normalerweise Satelliten geschüttelt werden. Damit soll die Belastung, die während eines Raktenstarts auf den Satelliten einwirkt getestet werden.


Der erfolgreichste Astronauten-Twitter-Account aller Zeiten wird von seinem Sohn betreut – von Darmstadt aus

Seit 2009 schon können die Astronauten an Bord der internationalen Raumstation live twittern. Auch die ESA-Astronauten Paolo Nespoli und André Kuipers schickten Tweets und vor allem atemberaubende Fotos der Erde aus dem Orbit. André Kuipers hatte sich gegen Ende seiner Mission eine treue Fangemeinde von 270.000 Followern zusammengezwitschert.

Noch mal eine Schippe drauf legt jetzt der Kanadier Chris Hadfield, auch als Commander Hadfield bekannt. Auf der Raumstation als Kommandant und Wissenschaftler tätigt, ist er im Netz ein echter Star. Nach drei von sechs Monaten Dienst auf der Station hat er schon die halbe Million-Marke geknackt.

Aus gutem Grund. Seine Tweets sind witzig, seine Fotos großartig und seine Dialoge legendär:

Dass ein Astronaut an Bord der Station der Flut an Tweets, die auf ihn einprasseln, alleine nicht Herr werden kann, versteht sich von selbst. Schließlich sind die Jungs und Mädchen im All um zu arbeiten und nicht nur um zu singen und zu tiwttern.

Und so hat auch Chris Hadfield Hilfe am Boden. Erstaunlicherweise ist es sein Sohn Evan, der für ihn den Social Media-Manager macht. In einem Interview mit dem kanadischen Sender Global National spricht er darüber, wie er seinem Vater zur Hand geht:

Richtig lustig wird die Geschichte, wenn man sich klar macht, dass Evan Hadfield den ganzen Social Media-Buzz um die Mission seines Vaters per Notebook aus Deutschland steuert. Ausgerechnet aus dem angeblich verschlafenen Darmstadt.

Und ganz ehrlich: Als die Anfrage um einen Kommentar der ESA dazu, bei mir aufschlug, musste ich erst einmal beim kanadischen Journalisten nachfragen, ob ich mich nicht vielleicht verhört hätte.

Leider kommt mein Kollege Daniel Scuka in dem Video viel zu kurz nur zu Wort. Daniel, ein Landsmann und Fan des Commanders, kümmert sich bei der ESA in Darmstadt u.a. auch um Social Media Kanäle wie @ESAoperations und diverse Blogs.

Raumfahrt ist ein Familienbetrieb und die Welt ein Dorf.